MENNEKES

Differenzstrommessung - Bedeutung, Funktionsweise und Vorteile für Unternehmen

In vielen Unternehmen und Einrichtungen hat eine ununterbrochene Stromversorgung hohe Priorität. Nur so lassen sich in sensiblen Bereichen reibungslose Betriebsabläufe gewährleisten. Für Rechenzentren, Leitstellen und Kliniken ist ein Stromausfall mit erheblichen Risiken und hohen Kosten verbunden.

Wann und warum ist Differenzstromüberwachung relevant?

Wo es auf hohe Betriebs- und Anlagensicherheit ankommt, steht mit der Differenzstromüberwachung (RCM) ein präventiv wirkendes Monitoring-System bereit. Durch permanente Differenzstrommessung werden schleichend auftretende Isolationsfehler und Fehlerströme frühzeitig diagnostiziert. Gibt das System eine Warnung aus, lässt sich die Schwachstelle im Stromkreis eingrenzen und ohne Abschaltung der Stromversorgung verstärken. Alternativ erfolgen Reparatur oder Upgrade nach geplanter Abschaltung in einem für den Betrieb unkritischen Zeitraum. Technische Regelwerke und gesetzliche Vorschriften fordern für bestimmte Anwendungsbereiche den Einsatz einer Differenzstromüberwachung, daher kann die Investition in ein RCM auch verpflichtend sein.

Wie funktioniert die Differenzstrommessung?

Mit der Differenzstromüberwachung (RCM) lässt sich die technische Integrität und Stabilität von Stromkreisen überwachen. Die internationale Abkürzung RCM steht für "Residual Current Monitoring" und weist auf die präventiv wirkende Funktion hin. Das Überwachungssystem erkennt Schwächen in der Isolation, die durch fehlerhafte Kabel, defekte Geräte oder altersbedingte Abnutzung auftreten können. So werden kleine Leckströme erkannt, bevor sie größere Fehlerströme verursachen und eine Abschaltung durch einen Fehlerstromschutzschalter (RCD) erfolgt.

Die permanente Zustandsüberwachung erlaubt eine vorausschauende Wartung und verhindert Ausfälle in kritischen und auf Hochverfügbarkeit angewiesenen Bereichen wie Rechenzentren, Kliniken oder Flughäfen. Durch permanentes Fehlerstrom messen per Differenzstrommonitoring ist das Ausfallrisiko erheblich reduziert.

 

Was unterscheidet die Differenzstromüberwachung (RCM) vom Fehlerstromschutzschalter (RCD)?

Das technische Funktionsprinzip beider Einrichtungen ist ähnlich. Der wesentliche Unterschied ist der Einsatzzweck.

Fehlerstromschutzschalter (RCD)

Ein RCD (Residual Current Device) schaltet einen Stromkreis bei Auftreten eines relevanten Fehlerstroms innerhalb von Millisekunden ab. Der Fehlerstromschutzschalter ist als reaktive, aber hochwirksame Schutzeinrichtung ausgelegt. Er kann weder Schwächen in der Isolierung erkennen noch vor drohenden Abschaltungen warnen. Seine alleinige Aufgabe ist der Schutz von Personen und Sachwerten durch sofortige Abschaltung.

Differenzstromüberwachung (RCM)

Die Differenzstromüberwachung ist eine Überwachungseinrichtung und kommt in gewerblichen und öffentlichen Bereichen zur Anwendung. Sie dient der Früherkennung noch unkritischer Fehlerströme und stellt eine vorbeugende Instandhaltung dar. Nach einer Warnung durch das RCM lässt sich die Fehlerursache lokalisieren und beheben, ohne die Stromversorgung zu unterbrechen.
 

Warum ist die Differenzstromüberwachung sinnvoll?

Isolationsfehler entwickeln sich oft langsam, da sich der Zustand von Isolierungen erst mit der Zeit verschlechtert. Neben der Gefahr für Kurzschluss und Stromausfall steigt auch die Brandgefahr. Die Differenzstromüberwachung erkennt durch permanentes Fehlerstrom messen zu einem frühen Zeitpunkt Schwächen in der Isolation. Das vorbeugende Monitoring führt zu erhöhter Betriebssicherheit und macht den Betrieb großer und sensibler Anlagen wirtschaftlicher und berechenbarer.

Die Investition in Differenzstromüberwachung zahlt sich überall dort aus, wo ein plötzlicher Stromausfall hohe Kosten nach sich ziehen würde und mit einer Kette von negativen Auswirkungen verbunden wäre. In besonders kritischen Bereichen wird RCM häufig mit USV-Anlagen oder Notstromgeneratoren kombiniert.

Wie können Fehlerströme überwacht werden?

Das Herzstück bei der Differenzstromüberwachung (RCM) ist der Summenstromwandler, ein ringförmiger Transformator, durch den alle stromführenden Leiter geführt werden. In einem intakten System heben sich die Ströme und somit die Magnetfelder der hin- und zurückfließenden Ströme auf. Sobald ein Strom über den Schutzleiter oder einen irregulären Pfad abfließt, etwa über eine beschädigte Isolierung zur Erde, tritt jedoch eine Differenz auf. Der Summenstromwandler registriert diese Differenz und löst bei Überschreitung eines eingestellten Grenzwerts einen Alarm aus.

Stationäres und mobiles Differenzstrommonitoring

Für die stationäre Überwachung kompletter Anlagen oder Verteiler werden fest installierte RCM-Geräte genutzt. Bei einer flexiblen Prüfung an Arbeitsplätzen oder an Baustellen kommen mobile RCM-Geräte zum Einsatz. So lässt sich auch unter erschwerten Bedingungen im Außenbereich und an entlegenen Standorten ein Fehlerstrom messen und Isolationsfehler entdecken. Die ständige Überprüfung der Isolierung elektrotechnischer Installationen reduziert auch im Außenbereich das Ausfallrisiko und verbessert den Brandschutz.

Integration in bestehende Systeme

RCM-Summenstromwandler besitzen in der Regel eine geschlossene Bauform in Form von Ringkernen. Das ermöglicht zwar ein sicheres und berührungsloses Fehlerstrom messen, erschwert aber die Nachrüstung von Bestandsanlagen. Da alle stromführenden Leiter durch die Öffnung gefädelt werden müssen, ist oftmals eine stundenlange Anlagenabschaltung und ein Trennen der Verkabelung nötig.

Speziell für die Nachrüstung wurden klappbare Summenstromwandler entwickelt. Bei dieser Variante ist der Ring an einer Stelle trennbar und lässt sich nach dem Einlegen der stromführenden Leiter wieder präzise zusammenfügen. Das ermöglicht den Einbau im laufenden Betrieb und hat sich als Industriestandard für die Nachrüstung etabliert. Das präventive Fehlerstrom messen per Differenzstromüberwachung ist daher auch für Bestandsanlagen leicht umsetzbar.

Was spricht für eine permanente Fehlerstromüberwachung?

Erhöhte Betriebssicherheit

Permanente Differenzstrommessung diagnostiziert schleichend auftretende Isolationsfehler und Fehlerströme frühzeitig. Gibt das System eine Warnung aus, lässt sich die Schwachstelle im Stromkreis eingrenzen und ohne Abschaltung der Stromversorgung beheben. Alternativ erfolgen Reparatur oder Upgrade nach geplanter Abschaltung in einem für den Betrieb unkritischen Zeitraum.

Kosteneinsparungen durch präventive Wartung

Die kontinuierliche Überwachung erlaubt eine zustandsbasierte Instandhaltung. Durch Abschaltung verursachte Produktionsausfälle sowie Folgeschäden durch mittelbar abhängige technische und kaufmännische Prozesse werden vermieden. Isolationsschwächen lassen sich erkennen, lange bevor ein tatsächlicher Ausfall droht. Die gezielte Wartungsplanung und Ersatzteilbeschaffung ist ein weiterer wirtschaftlicher Vorteil.

Energieeffizienz und Nachhaltigkeit

Durch gezielte Behebung von Kriechströmen und anderer Fehlerströme lassen sich Energiekosten reduzieren und die CO2-Bilanz verbessern. Die per RCM laufend erfolgende Dokumentation der elektrischen Infrastruktur ist ein wichtiger Nachweis für Energie-Audits, Nachhaltigkeitsberichte und Zertifizierungen nach ISO 50001. In Zeiten steigender Energiepreise und verschärfter Umweltauflagen wird dieser Aspekt zum wirtschaftlichen Wettbewerbsfaktor.

Welche Normen und Vorschriften gibt es?

Für die Einführung und den Betrieb einer Differenzstrommessung (RCM) sind mehrere Normen und gesetzlichen Anforderungen zu beachten:

DIN EN IEC 62020 / VDE 0663

Legt fest, wie ein RCM beschaffen sein muss, um Differenzströme zu messen und zu überwachen. Geregelt werden Klassifizierung, Kennwerte, Konstruktion, Betrieb, Einbau und Prüfungen.

DIN EN IEC 61557-11 / VDE 0413-11

Anforderungen an Mess- und Prüfgeräte zur Überwachung der Wirksamkeit installierter Differenzstromüberwachungsgeräte. Vorgaben für Schutzmaßnahmen.

DIN VDE 0100

Die Normenreihe zur Errichtung von Niederspannungsanlagen beinhaltet Vorschriften zur Installation einer Differenzstrommessung (RCM), zum Beispiel als Brandschutz bei gefährdeten Betriebsstätten. Im Teil DIN VDE 0100-530 sind Auswahl, Anforderungen und Einsatz von RCM in elektrischen Anlagen geregelt.

DGUV Vorschrift 3

Vorgaben für Wiederholungsprüfungen sowie Durchführungsanweisungen in gewerblich genutzten elektrischen Anlagen.

DIN VDE 0105-100

Allgemeine Anforderungen zum sicheren Betrieb elektrischer Anlagen. Hier ist definiert, dass eine dauerhaft installierte Differenzstromüberwachung (RCM) die regelmäßige Isolationsprüfung ersetzen kann.

ISO 50001

Die Norm ISO 50001 beschreibt den Aufbau eines Energiemanagementsystems. Das kontinuierliche Fehlerstrom messen unterstützt die in diesem Regelwerk formulierten Ziele nach energierelevanten Messungen und regelmäßiger Bewertung der Energieverbräuche.

Betriebssicherheitsverordnung

Das Schutzkonzept für von Arbeitsmitteln ausgehende Gefährdungen ist auch für die Installation und die Bedienung von RCM-Modulen relevant.

Kontakt

Unser Team ist für Sie da: Nutzen Sie einfach das Kontaktformular oder treten Sie direkt mit Ihren Ansprechpartnern in Verbindung. Wir unterstützen Sie gern dabei, die passende M.ONE Lösung für Ihre Anwendung zu finden – schnell, kompetent und persönlich.

KontaktformularAnsprechpartner vor Ort